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26 Juli, 2006

Unser Urleser schreibt!

Wanderungen mit Robert Walser
von Carl Seelig {Kaufen Sie bitte hier}

Wie übel ist uns unter den großen Maschinenrädern der jetzigen Welt zumute, wenn wir nicht unserem persönlichen Dasein eine eigentümliche, edle Weihe geben! Jacob Burckhardt

26. Juli 1936

Unsere Beziehungen leiteten einige nüchterne Briefe ein; kurze, sachliche Fragen und Antworten. Ich wußte, daß Robert Walser Anfang 1929 als Geisteskranker in die bernische Heilanstalt Walsdau eingeliefert worden war und seit Juni 1933 als Patient der kantonalen Heil- und Pflegeanstalt von Appenzell-Außerrhoden in Herisau lebte. Ich empfand das Bedürfnis, für die Publikation seiner Werke und für ihn selbst etwas zu tun. Unter allen zeitgenössischen Schriftstellern der Schweiz schien er mir die eigenartigste Persönlichkeit zu sein. Er erklärte sich einverstanden, daß ich ihn besuche. So fuhr ich an diesem Sonntag frühmorgens von Zürich nach St. Gallen, schlenderte durch die Stadt und hörte mir in der Stiftskirche die Predigt über "Die Verschwendung des Talentes" an. In Herisau läuteten die Kirchenglocken, als ich ankam. Ich ließ mich beim Chefarzt der Anstalt, Dr. Otto Hinrichsen, anmelden und erhielt von ihm die Erlaubnis, mit Robert spazieren zu gehen.